Er ist in Kolumbien geboren, hat beim BBC gearbeitet und ist nun Korrespondent der „Deutschen Welle“. Hinter diesen Beschreibungen verbirgt sich der Journalist Thomas Sparrow, der sich am Freitag, den 1. April 2022 in der ersten und zweiten Stunde den Fragen der zehnten Klassen und der KS1 zu Journalismus in Bezug auf den Krieg in der Ukraine gestellt hat. Ausdruckslos blieb das Gesicht des Journalisten, während sich die Lehrer, der Klassen online versuchten in die Besprechung einzuloggen. Da sah man mal hier eine Nahaufnahme eines Lehrers oder in einem anderen Raum wurde ein Panoramablick auf die Klasse präsentiert. Um 8.00 Uhr waren schließlich alle eingetrudelt und Frau Nürk-Fischer konnte mit einer Begrüßung starten. Und dann legte der Journalist los. Zunächst war für ihn wichtig zu erwähnen, dass es als Journalist nicht nur seine Aufgabe ist, zu berichten, sondern auch zum Beispiel mit Schülern und Schülerinnen oder Studenten und Studentinnen zu sprechen und über Themen zu diskutieren.

Seine drei Punkte, die ihm sehr am Herzen lagen, konnte der Journalist, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt, verständlich vermitteln. Er zählte seine Punkte an der Hand ab, wodurch man ihm gut folgen konnte.

Als erstes stand die Frage im Mittelpunkt, warum wir uns in Deutschland mit dem Krieg beschäftigen sollten. Immerhin lebt er in Berlin und wir in Süddeutschland, doch die Globalisierung verbindet uns. Der Krieg beschäftigt uns alle, weil er weit über die Ukraine hinausgeht und Prinzipien, wie die Souveränität oder die Unverletzlichkeit der Grenzen verletzt.

Dann folgte der zweite Punkt, nämlich, dass nicht nur militärisch gekämpft wird, sondern es sich auch um einen Informationskrieg handelt. In Russland berichten hauptsächlich nur noch staatliche Medien. Wenn wir hier in Deutschland Medien verbieten würden, wie es gerade in Russland der Fall ist, würden wir uns gegen die Meinungsfreiheit in unserem Land richten. Dafür sollten andere Quellen stärker gemacht werden, um die Falschmeldungen zu übertönen.

Als letztes konnte er uns schon drei Finger für den dritten Punkt zeigen, was können wir tun. Wir leben hier in Deutschland in einer Demokratie und unsere Stimmen zählen. Obwohl wir weit weg sind vom Krieg, können wir trotzdem zeigen, dass wir nicht mit dem Krieg einverstanden sind und den betroffenen Menschen signalisieren, dass sie nicht alleine sind.

Im Anschluss an seine drei Punkte hatten wir die Möglichkeit, Fragen zu stellen, indem die Klasse, in der jemand eine Frage hatte, online die Hand gehoben hat und so die Klassenräume aufgerufen werden konnten. Als Journalist war Herrn Sparrow davor aber noch wichtig zu betonen, dass er erstens nicht alles weiß und zweitens, dass es als Journalist seine Aufgabe ist, unterschiedliche Sachverhalte zu erklären mit verschiedenen Positionen, von denen wir selbst uns dann eine eigene Meinung nach unseren Interessen bilden können.

In ungefähr einer Stunde kamen einige Fragen zusammen, die sowohl von Schülern und Schülerinnen, als auch von Lehrern und Lehrerinnen gestellt wurden.

Auch hier führte Herr Sparrow durchstrukturiert mit eins, zwei, drei oder a, b, c durch die Fragen. So erläuterte er zum Beispiel ausführlich, dass Falschinformationen durch soziale Netzwerke und die vielen Nutzer schnell verbreitet werden. Um Falschinformationen zu erkennen, ist es wichtig, genau hinzuschauen, wenn man nicht sicher ist, was nicht stimmen kann. Wenn man sich unsicher ist, kann man auch mit der Familie oder mit den Lehrern und Lehrerinnen in der Schule reden. Folglich sollte man nicht bloß auf dem Sofa sitzen und Nachrichten schauen, sondern sich verschiedene Quellen suchen, selber aktiv werden und sich dann seine eigene Meinung bilden. Am besten mischt man sich ein Rezept aus lokalen Medien, wie einer Zeitung aus Überlingen, nationalen Medien, wie etwas vom eigenen Land gesehen wird und internationalen Medien, wie es international gesehen wird, zusammen.

Als Journalist muss man außerdem priorisieren, was jetzt gerade für die Öffentlichkeit wichtig ist. Andere Ereignisse neben dem Krieg in der Ukraine, wie der Krieg in Syrien, sind nicht vergessen. Um Themen auszuwählen spielt die geographische Nähe eine entscheidende Rolle. Wenn etwas in Überlingen passiert, wird in Überlingen darüber vermutlich berichtet werden, aber nicht unbedingt in Norddeutschland. Im Moment ist ein ganzes Land in Europa betroffen, das von einem noch größeren Land angegriffen wird und deswegen ist das Thema in Europa zur Zeit so präsent. Doch nicht nur die Geographie, auch die politischen-wirtschaftlichen-diplomatischen Beziehungen sind von Bedeutung. Zum Beispiel ist die USA geographisch weit entfernt von uns, hat aber dennoch Verbindungen zu Europa.

Abgerundet wurde der Vortrag und die Frage-Antwort-Runde wieder von Frau Nürk-Fischer.

Bedankt haben wir uns mit virtuellen klatschenden Händen und realen Daumen, die vor die Kamera gehalten wurden.
In meinem Klassenraum gab es viele bejahende Kopfnicken, als unser Lehrer uns gefragt hat, wie wir es fanden.

Stella Rieke-Zapp