Jedes zweite Jahr fährt das Gymnasium Überlingen nach Bregenz für die Young Peoples Night im Rahmen der Bregenzer Festspiele. Dieses Jahr stand die Oper „La Traviata“ von Giuseppe Verdi auf dem Programm. Im Mittelpunkt steht hier die Kurtisane Violetta Valérie (Sopran), die neben ihrem glamourösen Leben in der Pariser Gesellschaft des 19. Jahrhunderts mit der lebensbedrohlichen Krankheit Tuberkulose zu kämpfen hat. Wie in so vielen Opern spielt auch hier die Liebe eine zentrale Rolle: der junge Alfredo Germont (Tenor) gesteht ihr seine Liebe und zusammen wagen sie eine Beziehung trotz unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Alfredos Vater, gesungen von einem Bariton, ist besorgt um den Ruf seiner Familie und mischt das Ganze nochmal auf. Die Kulisse der Seebühne wurde schlicht gehalten, was aber nichts an der Aussagekraft ändert. Der dargestellte fast zerbrochene Spiegel soll symbolisch vieles darstellen, vor allem aber wie Violetta an der Liebe und der Krankheit zerbricht. Während der Vorführung öffneten sich dann wie durch Zauberhand Räume und gaben neuen Platz für Szenen frei. Wie so oft startete der Ausflug mit einer Busfahrt. Einmal angekommen, gab es zur Weiterbildung und Vorbereitung mehrere Möglichkeiten den Nachmittag bis zur abendlichen Vorstellung zu überbrücken. In Gesangsworkshops brachten uns ehemalige Opernsängerinnen (Sopran und Alt) Kanones bei und zeigten uns mit Übungen, was im Mindesten für einen schönen, vollen Klang der Stimme dazugehört. In Tanzworkshops erhielt man Einblicke in Choreografien, wie man sie später bei der Aufführung nochmal zu sehen bekam. Auch waren kostenlose Eintritte in das Vorarlberg Museum und das Kunsthaus Bregenz in dem Programm der Young Peoples Night enthalten. Für alle, die noch keine Ahnung hatten, worüber in ein paar Stunden auf Italienisch gesungen wird, gab es eine kurze Einführung in einem Saal. Dem gleichen Saal, wo während der Vorführung das Orchester live spielt und übertragen wird, was mittels ausgeklügelter, spezieller Technik geschieht. Auf die Interessengruppe abgestimmt (überwiegend junge Leute), gab es in der Einführung sämtliche jugendsprachliche Bezüge. Somit waren keine Italienisch-Kenntnisse notwendig, um den Verlauf der Handlung und die Beweggründe der Protagonisten zu verstehen. Wie der Spannungsbogen der Oper zog sich die Spannung durch den Abend, ob die Vorführung im Freien auf der Seebühne wegen Regen stattfinden kann. Doch spielte uns das Wetter glücklicherweise in die Karten. Mit Ponchos und Regenjacken wurden die paar regnerischen Minuten am Anfang der Oper überstanden. Auch die Darstellerinnen und Darsteller waren keinesfalls aus Zucker, sondern machten einfach weiter. Da an diesem Abend die Generalprobe stattfand, bekamen wir alle noch einen ganz besonderen Einblick in den Theateralltag, wie man ihn sonst in Zukunft vermutlich nie bekommen wird. Für wenige waren die unerwarteten Bemerkungen zu einer gemeinsamen Arie von Violetta und Alfredo vielleicht nur eine nervige Unterbrechung. Doch es zeigt, dass manchmal an den kleinsten Rädchen gedreht werden muss, um eine so tolle Aufführung auf die Beine stellen zu können. Nach langem Applaus ging es im Wettlauf mit unzähligen anderen Schulklassen zurück zu den Bussen und ab nach Hause. Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass es eine sehr gelungene Vorstellung war. Das Bühnenbild war, wie jedes Mal, so ausgeklügelt und voller Überraschungen. Der Bereich mit Wasser wurde auch gekonnt eingesetzt und das Schauspiel sowie der Gesang waren durchaus bewundernswert. Dass eine solche Erfahrung so vielen jungen Menschen durch die Young Peoples Night ermöglicht wird, ist wirklich einzigartig. Vielen Dank an die Musikfachschaft und unserem Busfahrer Herr Mezger, die diese Fahrt für SchülerInnen des Gymnasiums ermöglicht haben!
Autorin: Lavinia Reuter
