Internationale Anerkennung für deutsches Vorzeigemodell der Nachwuchsförderung
Abu Dhabi/Bad Saulgau 18. Januar 2016:

IMG_8422Dem Schüler-Forschungs-Zentrum Südwürttemberg (SFZ) wurde heute im Rahmen der Abu Dhabi-Nachhaltigkeitswoche der mit 100 000 Dollar dotierte Zayed Future Energy Prize der Vereinten Arabischen Emirate verliehen. Zuvor hatte es die schwäbische Bildungseinrichtung unter 1500 Bewerbern weltweit in die Endrunde der besten 14 Schulen geschafft.  Ausgezeichnet wurde die Idee, mit Schülerprojekten ein intelligentes Netzwerk aus funktionsfähigen erneuerbaren Kraftwerken  samt Speichertechnologie aufzubauen. Aus Europa hatte sich neben dem SFZ lediglich das Belvedere College in Dublin (Irland) qualifiziert.
SFZ-Schüler nehmen den Preis persönlich entgegen
Bei der Preisverleihung im Adnec-Konferenzzentrum in Abu Dhabi waren SFZ-Geschäftsführer Tobias Beck und die SFZ-Schüler Jonas Wörner und Julian Haasis persönlich anwesend. „Wir sind überwältigt“, sagt der 15jährige Jonas Wörner vom SFZ Überlingen nach der Übergabe des Zayed Future Enregy Prizes. „Wer wird als Schüler schon nach Abu Dhabi eingeladen und erhält dann auch noch vor einem riesigen Publikum einen solchen Preis?“ Geschäftsführer Tobias Beck sieht den Preis als Bestätigung, mit seinem Ansatz der Nachwuchsförderung auf dem richtigen Weg zu sein. “Wir wussten, dass unsere Projektidee großes Potential hat. Besonders deshalb weil unser Beitrag zu Energiewende nicht nur aus ökologischer Sicht nachhaltig ist“, sagt er. „Die Energiewende wird ein fortwährender Prozess sein. Da reicht es nicht, jetzt eine gute Idee zu haben, es muss genauso viel in die Ausbildung der Ingenieure von morgen investiert werden. Am Schüler-Forschungs-Zentrum geben wir unverbrauchten Schüler-Ideen eine Chance. Ich denke, dass war entscheidend für unseren Gewinn“, fügt er begeistert hinzu.

Einmaliger Ansatz: Bewerbung als Netzwerk
Das Schüler-Forschungs-Zentrum Südwürttemberg (SFZ) hatte sich im Sommer 2015 mit einem Projektvorschlag um den Preis beworben, an dem sich mindestens fünf der acht SFZ- Standorte zwischen Reutlingen und Friedrichshafen beteiligen. Es geht darum, wie die Energiewende zu schaffen ist: Mit Ideen für die Erzeugung regenerativer Energie, vor allem aber mit Lösungen für Speicher- und Verteilermöglichkeiten. Denn was passiert wenn die Sonne scheint wir aber gerade keinen Strom brauchen oder der Wind trotz hohem Energiebedarf gerade nicht bläst?
Der Netzwerkgedanke der deutschlandweit einmaligen Bildungseinrichtung war es, der das Schüler-Forschungs-Zentrum Südwürttemberg (SFZ) auch von anderen Wettbewerbern um den Zayed Future Energy Prize unterschieden hat: Nur als Netzwerk ist das ambitionierte Projekt, mit dem sich das SFZ um den Preis beworben hatte, möglich. Dass es sich dabei aber nicht nur um ein hochgestecktes Ziel handelt, zeigen die umfangreichen Arbeiten, die SFZ-Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Jahren bereits geleistet haben und die nun mit dem Preis gewürdigt wurden.

Schülernetzwerk baut Stromnetzwerk
So haben Jugendliche in Bad Saulgau eine SFZ-eigene Windkraft-Anlage aufgebaut an der sie die Stromerzeugung mittels Windenergie kennenlernen und eigene Forschungen dazu anstellen können. Wer eine Idee hat, den Vorgang effektiver zu gestalten, kann sie dort ausprobieren. Am SFZ-Standort Ochsenhausen haben Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Studenten der Hochschule Biberach ein Wasserkraftwerk projektiert. Demnächst soll es gebaut werden. Eine Überlinger SFZ-Gruppe hat eine Lösung entwickelt wie der so erzeugte Strom gespeichert werden kann wenn zu viel davon produziert wird. Man nutzt ihn um klimaschädliches CO2 in Methan, den Hauptbestandteil von Erdgas, umzuwandeln. Sein Transport in den bereits bestehenden Leitungen macht den Bau von Hochspannungsleitungen überflüssig. Im vergangenen Jahr wurde die Schülererfindung bereits mit dem Bundessieg bei Jugend forscht ausgezeichnet.

Lukas Locher, Standortleiter des SFZs Überlingen, ist begeistert vom Gewinn des Preises. „Vor allem für die Schüler ist das natürlich eine unglaubliche Auszeichnung für die oft jahrelange Arbeit, die in den Projekten steckt“, sagt er. „Aber auch für die ausnahmslos extrem engagierten Betreuer ist der Preis eine Bestätigung dafür, dass wir mit unserem Ansatz auf dem richtigen Weg sind.“

Wie die dezentral produzierten Strommengen erfasst und verteilt werden, was davon direkt verbraucht und was gespeichert wird – das soll in Zukunft eine intelligente Elektronik steuern. In Ulm arbeiten SFZ-Schüler seit kurzem daran, diesen Netzwerk-Plan umzusetzen. Sie lassen dabei Raum für weitere Schülerideen, wie der Einbindung von Solarmodulen oder einem Mini-Gas-Kraftwerk, das bei Flaute Abhilfe schaffen könnte. Denkbar wäre auch eine automatische Anpassung der Prozesse an die Wettersituation, die in einer SFZ eigenen Station erfasst werden könnte.

Preisgeld ermöglicht Umsetzung vieler Ideen
Trotz aller Vorarbeiten liegt ein großer Teil der Arbeit also noch vor den Machern am Schüler-Forschungs-Zentrum. „Unser Ziel ist es, ein richtiges kleines Forschungsnetzwerk aufzubauen, so wie es in Groß für das Gelingen der Energiewende notwendig wäre“,  sagt SFZ-Geschäftsführer Tobias Beck. „Interessierte Jugendliche sollen sich da einbringen können, wo ihre Interessen liegen und voneinander lernen, unabhängig von Schule oder Noten.“
Das Schüler-Projekt soll beliebig erweiterbar sein, schließlich sei eine nachhaltige Energieversorgung von immer neuen Innovationen abhängig und damit ein ständiger Prozess. Mit dem Preisgeld können Einzelprojekte an den verschiedenen SFZ-Standorten nun verwirklicht und das Gesamtprojekt damit entscheidend vorangebracht werden.

Bekanntheitsgrad steigt
Einen weiteren Vorteil im Gewinn des Preises sieht Tobias Beck in der Steigerung des Bekanntheitsgrades des Schüler-Forschungs-Zentrums Südwürttemberg. Denn neben der öffentlichen Förderung finanziert sich das SFZ etwa zu Hälfte aus Spenden von großen und mittelständigen Unternehmen. „In unserer Region haben bereits viele Firmen erkannt, dass sie mit der Unterstützung des SFZs vor allem in ihre eigene Zukunft investieren“, erklärt Beck. „Der Nachwuchs sollte früh gefördert werden. Wir wollen, dass unsere Angebote weiterhin kostenlos für alle interessierten Jugendlichen sind. Das geht aber nur mit der Unterstützung von Geldgebern aus der Privatwirtschaft.“  Auch der 17 jährige Julian Haasis freut sich auf mehr Aufmerksamkeit für das SFZ. „Deutschland ist Fußball-Weltmeister geworden weil jeder der Jungs schon ganz früh angefangen hat zu spielen“,  erklärt er. „Wer Weltmeister werden will, muss kicken – und wer die Energiewende schaffen will, muss schon früh forschen dürfen. Am SFZ geht das.“

Schüler-Forschungs-Zentrum Südwürttemberg
An den acht Standorten des Schüler-Forschungs-Zentrums Südwürttemberg zwischen Reutlingen und Friedrichshafen forschen, tüfteln und erfinden derzeitig etwa 500 Jugendliche in allen Bereichen der Naturwissenschaften und Technik. Sie werden dort von Lehrern, Studenten und Ehrenamtlichen betreut. Es spielt keine Rolle, welche Schulform die Jugendlichen regulär besuchen und welche Noten sie dort erlangen. Die enge Vernetzung der SFZ-Standorte untereinander sowie mit Schulen, Universitäten und der Industrie stellt Material- und KnowHow-Austausch sicher. Das SFZ finanziert sich durch Spenden und öffentliche Förderung. Alle Angebote sind für die Schülerinnen und Schüler damit kostenlos.

Zayed Future Energy Prize
Der Zayed Future Energy Prize geht auf die Idee von Scheich Zayid bin Sultan al-Nahyan, zurück, einem der Gründerväter der Vereinigten Arabischen Emirate. Jährlich werden mit ihm Innovationen im Bereich von Klimawandel, Energiesicherung und Umweltschutz ausgezeichnet. Er wird in fünf verschiedenen Kategorien verliehen: Großen Unternehmen als Anerkennungspreis, kleineren Unternehmen und Non Profit Organisationen, die mit der Auszeichnung jeweils 1,5 Millionen Dollar erhalten, sowie Bildungseinrichtungen, von denen pro Kontinent jeweils eine Einrichtung einen Betrag von 100 000 Dollar erhält. Weiterhin werden 500 000 Dollar für ein Lebenswerk vergeben. Jede Kategorie wird nach vier Kriterien bewertet: Auswirkung, Innovation, Führungsrolle und langfristige Vision.

www.zayedfutureenergyprize.com/en/Meet-the-2016-Winners