an den Golf von Neapel (Sorrent) vom 30.09. bis 07.10.2017

      

Unser Lateinkurs der Kursstufe II besteht aus 24 Schülerinnen und Schülern. Eine solch hohe Zahl an noch immer Lateinbegeisterten nach bereits fünf Jahren mit der Fremdsprache lässt sich selten in den beiden letzten Jahren der Kursstufe wiederfinden. Aus diesem Grund bot es sich nach unserer Studienfahrt nach Rom in Klasse 9 für uns von der Antike Begeisterte an, eine weitere – wie sich herausstellen sollte – atemberaubende Gegend zu bereisen. Das Ziel? – Sorrent! Der kleine Ort an der Westküste Italiens in der Region Kampanien, unweit von Neapel bot sich nicht nur aufgrund seines auch im Herbst noch immer ausgezeichneten Wetters, sondern vor allem durch die Attraktivität vieler nahe liegender antiker Kulturstätten an.
Dieses hart erkämpfte und ersehnte Vorhaben setzten wir am Nachmittag des 30.09.2017 in die Tat um. Motiviert machten wir uns mit unseren Lehrern, Herrn Thumm und Frau Bertsch, per Bustransfer auf den Weg nach Zürich. Unser Flug ging am frühen Abend und wir landeten mit gut einer Stunde Flugzeit deutlich früher als erwartet. Trotz der Dunkelheit realisierten wir aufgeregt, dass wir uns nun in Neapel, in Italien befanden, wo uns das milde Klima bereits empfing.
Von dort ging es weiter mit dem Bus nach Sorrent, wo wir in unseren Unterkünften in der nächsten Zeit zum Schlafen kommen würden. Während der Fahrt bekamen wir einen ersten Eindruck von der schönen bunten Stadt, die uns mit ihren lustigen kleinen Geschäften und Cafés empfing. Nach nicht allzu langer Fahrt hielt der Busfahrer vor dem Feriendorf Nube d‘ Argento, wo wir unsere Unterkünfte beziehen konnten, welche aus kleinen Hütten bestanden, die mit Küche, Bad, Essbereich und Betten ausgestattet waren. Nachdem wir uns in einem kleinen Laden in der Nähe des Feriendorfs fürs Erste mit dem Nötigsten ausgestattet hatten, legten wir uns das erste Mal in den neuen Betten schlafen, gespannt auf den ersten Tag der Studienfahrt.
Das frühe Aufstehen an einem Sonntag fiel uns allen schwer, aber die Neugierde und Vorfreude auf den Tag halfen uns, darüber hinwegzukommen. Nach dem gemeinsamen Frühstück im Feriendorf machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zum Averner See, wo uns durch das erste Referat interessante Informationen über die Phlegräischen Felder rund um die Solfatara vermittelt wurden. Zur Enttäuschung aller war es uns jedoch nicht möglich, diese auch zu besuchen, da durch einen Unfall in Verbindung mit erhöhter vulkanischer Aktivität gerade erst drei Menschen ums Leben gekommen waren. Dies vermittelte uns einen ersten Eindruck davon, wie es sein muss, in einem Vulkangebiet zu leben, dessen Vulkane durch ihre fortwährende Aktivität eine ständige Gefahr darstellen. Vom Averner See ging es weiter nach Cumae (heute Cuma), einer antiken Stadt, welche gut in unser Unterrichts- und Abiturthema „Vergils Aeneis“ passte, da sich dort – wie man früher dachte – das Orakel der Sibylle befand, welche dem Helden Aeneas den Weg in die Unterwelt zeigt. Dazu waren einige Steintafeln sichtbar, auf denen Verse des antiken Epos geschrieben standen. Als Lateiner machten wir uns mit Herrn Thumms Hilfe daran, diese ins Deutsche zu übersetzen.
Der letzte Programmpunkt des Tages war Baiae gewidmet, einer Stadt am Meer, die zu früheren Zeiten einerseits für ihr verruchtes Stadtleben und andererseits für ihre Fischzucht bekannt war. Dort erfuhren wir auch mehr über die Familiengeschichte Neros, welche von Korruption, Verrat und Tod geprägt war und uns durch das dortige Referat sowohl zum Schmunzeln brachte als auch in Schrecken versetzte.
Die uns gegebene Freizeit nach dem Ausflug nutzen wir individuell, indem wir uns Sorrent genauer ansahen, zum Meer gingen und das italienische Essen genossen.
Dieser Abend sollte der erste von vielen sein, die wir gemeinsam neben unseren Unterkünften als Gemeinschaft ausklingen lassen würden.
Auf den Montag hatten wir uns alle besonders gefreut, da das weltberühmte Pompeji der Hauptprogrammpunkt war. Nach einer längeren Fahrt mit der Circumvesuviana, der S-Bahn um den Vesuv, blieb uns nichts anderes übrig, als die antike Stadt zu bestaunen. Unsere Mitschüler, die ihre Referate über Pompeji hielten, führten uns gewissermaßen durch die antike Stadt, welche durch den bisher größten Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr. völlig zerstört, aber gleichzeitig durch eine dicke Ascheschicht für die Nachwelt bestens konserviert worden war. Oder um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: „Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte.“ Erst die Ausgrabungen der historischen Stätte machten es Besuchern wie uns möglich, sich vorzustellen, wie der römische Bürger damals wirklich gelebt hatte. Wir sahen Thermen, Amphitheater, Villen und zahlreiche andere Bauten. Zusätzlich erfuhren wir vieles über die pompejanische Kultur und Architektur, welche uns oftmals überraschte oder auch absurd vorkam. So war zum Beispiel die Bedeutung der Begräbnisstätten reicher Bürger gleichzusetzen mit den Villen, in denen lebende Menschen wohnten. Für den antiken Menschen war es von höchster Bedeutung, auch nach dem Tod am Leben teilzunehmen, der secunda mors, d. h. dem Vergessen durch die Nachwelt, zu entgehen.
Überwältigt von so viel Kultur, Geschichte und unseren schmerzenden Füßen machten wir uns mit der überfüllten S-Bahn auf den Weg zurück nach Sorrent, wo wir uns schon auf die Duschen und einen gemütlichen Abend freuten.
Das nächste Highlight folgte schon am Mittwoch, da wir den Vesuv, welcher uns bisher nur von Weitem mit seiner Gegenwart beeindruckt hatte, von Nahem zu sehen bekommen würden.
Bevor es aber dazu kam, durften wir uns als Beispiel für die typische Villenarchitektur von der Villa Oplontis, die Poppaea Sabina, der zweiten Ehefrau Neros, oder ihrer Familie gehört hatte, beeindrucken lassen, die mit gut erhaltenen Wandmalereien aus der Blütezeit des zweiten Stils (auch „Architekturstil“) überzeugte. Auch ihre beachtliche Größe führte dazu, dass wir uns einige Zeit darin aufhalten konnten, während wir ihre verschiedenen Bestandteile auf uns wirken ließen.
Auch die antike Stadt Herculaneum, die einst wie Pompeji vom Vesuv verschüttet worden war, lud zu einem Spaziergang durch bestens erhaltene Villen ein. Allerdings ist es nur ein kleiner Teil der Stätte, die ausgegraben worden ist, da über dem Rest der verborgenen Stadt noch der italienische Ort Erculano mit all seinen Gebäuden thront.
Am Nachmittag war es so weit: Der Vesuv erwartete uns. Einen Teil des Aufstiegs nahm uns der Bus oft schneller als gewünscht ab, bis zum Krater mussten wir jedoch selbst wandern, was aufgrund des steilen Anstiegs kein leichtes Unterfangen war. Als wir erschöpft den Krater errichten, war zwar keine Lava zu sehen und auch keine dichten Rauchschwaden, doch der Vulkan machte uns immerhin das Geschenk einiger kleiner schwefeliger Rauchsäulen, die zumindest das Gefühl eines noch aktiven Vulkans vermittelten. So harmlos wie sich uns der Vesuv zeigte, ist er jedoch nicht wirklich. Man rechnet damit, dass der Feuerberg innerhalb der nächsten Jahre jederzeit ausbrechen könnte. Sicher feststellen ließe sich ein Ausbruch erst etwa zwei Wochen vor dem Geschehen, was dazu führen würde, dass vermutlich nicht der gesamte Umkreis des Vulkans evakuiert werden könnte. Dies führte uns eindrücklich die Gefahren vor Augen, die den Bewohnern eines Vulkangebietes drohen, und nach diesen Erkenntnissen lernte manche(r) von uns die natürlichen Gegebenheiten des eigenen Heimatorts zu schätzen.
Nach diesem langen Tag mit vielen interessanten Stationen blieb uns nichts anderes übrig, als erschöpft ins Bett zu fallen.
Der nächste Tag war von vielen bereits mit Vorfreude erwartet worden, denn er versprach uns die Insel Capri mit viel Sonne und dem weiten Meer. Mit der Fähre kamen wir auf der wunderschönen Insel an, deren Anblick uns den Atem raubte. Überwältigend war jedoch nicht nur die Schönheit des Ortes, sondern auch die Anzahl an Touristen und Anbietern von Bootstouren. So kam es, dass auch wir uns für eine zweistündige Ausfahrt per Motorboot entschieden, welche sich als echter Glücksgriff erwies. Unsere Gruppe wurde auf zwei Boote aufgeteilt und so ging es einmal um die gesamte Insel, während uns die beiden Führer in ihrer herzlichen Art viel Wissenswertes über Capri mitgaben. So kam es, dass wir den kurzen Trip übers Meer nach dem anstrengenden Vortag nicht nur zur Gewinnung neuen Wissens nutzten, sondern uns umgeben von türkisblauem Wasser und im strahlenden Sonnenschein ein wenig entspannen konnten.
Von unseren Booten aus hatten wir eine gute Sicht auf die Insel und konnten bei genauerem Hinsehen schon unseren nächsten Programmpunkt entdecken: Die Villa des Tiberius, welche auf einem der höchsten Punkte der Insel liegt. Nach einigen Versuchen ließen unsere Lehrer sich dazu überreden, den steilen Weg hinauf in die Stadt mit der Standseilbahn anzugehen, jedoch hatten wir uns zu früh gefreut: Von der Haltestelle zur Villa galt es noch eine gewaltige Strecke zu bewältigen und zwar bergauf. Die Aussicht, die sich uns oben bot, war allerdings überwältigend, sodass wir jegliche Anstrengung sofort wieder vergaßen. Wir erfuhren, dass Kaiser Tiberius früher unliebsame Gäste und so manche Geliebte die Klippen hinuntergestoßen haben soll. Zudem erfuhren wir mehr über seine Vita und die Architektur seiner Villa (auch Villa Iovis genannt), einer seiner insgesamt zwölf auf Capri.
Danach hieß es für uns alle: Freizeit auf Capri. Das klare Meer empfing jeden von uns mit seiner Frische, die uns an diesem heißen Tag umso glücklicher machte und einen guten Abschluss des Inselbesuches darstellte.
Ein weiter entferntes Ziel stellte Paestum am Donnerstag dar. Der Hinweg führte entlang der Amalfitana, auch bekannt als die schönste Küstenstraße der Welt. Meer und Strände soweit das Auge reicht boten sich uns auf beinahe vier Stunden Busfahrt durch endlose scheinende enge Serpentinen.
In Paestum angekommen besichtigten wir die sehr gut erhaltenen griechischen Tempel, die Hera, Poseidon und Athene gewidmet gewesen sein sollen. Dazu hörten wir einen Vortrag über dorische Architektur und das häufige Phänomen des Eckkonfliktes, nach dem es bei einigen Tempeln nie ganz gelang, die Verzierungen vollkommen symmetrisch zu gestalten. Um dies nachzuvollziehen, standen wir noch eine Weile, zählend und rechnend vor den Tempeln, bis die meisten das komplizierte Problem verstanden hatten. Zufrieden mit unserem gestillten Wissensdurst machten wir uns auf ins Museum, in dem uns eine Ausstellung mit zwei Führern zugänglich gemacht wurde.
Die Tatsache, dass diese beiden jedoch weder Deutsch noch Englisch sprachen, gestaltete sich zu einem gleichermaßen interessanten wie erfolgreichen Unterfangen. Da wir mit Frau Bertsch eine Spanischlehrerin zugegen hatten und beide der Lehrer über einige Italienischkenntnisse verfügten, fungierten die beiden als Dolmetscher der italienischen Museumsführer, während wir durch jahrelanges Erlernen der lateinischen Sprache selbst erstaunlich viel verstehen konnten. Wir bestaunten den berühmten, erst 1968 entdeckten „Taucher von Paestum“ und unter anderem zahlreiche weitere prunkvoll ausgestattete Gräber.
Wir erfuhren, dass Paestum, wie viele Städte damals, eigentlich den Griechen gehört hatte (Poseidonia), jedoch von den Römern erobert und umgestaltet worden war.
Nach Hause ging es wieder mit dem Bus, dieses Mal auf verkürzter Route über die Autobahn.
An unserem letzten Tag durften wir mit der S-Bahn ein einziges Mal bis zur Endhaltestelle fahren: Nach Neapel, der Großstadt, hauptsächlich berühmt und berüchtigt durch ihre Verbindungen zur Camorra, die dazu jedoch auch Einiges an Antikem und Kulturellem zu bieten hat.
Der erste Eindruck der Stadt war voll, schmutzig und laut. Trotzdem stellte sich auf dem Stadtrundgang heraus, dass die Stadt durchaus etwas ganz Eigentümliches hatte, was einigen gefiel, anderen wiederum nicht. Herr Thumm bezeichnete es recht treffend als „morbiden Charme“.
Spontan entschlossen wir uns hier zu einer englischen Führung, welche sich im Untergrund Neapels bewegte, da dort ein antiker Markt und ein Amphitheater entdeckt worden waren.
Wir erfuhren vieles über die früheren Märkte und Geschäfte und wieder einmal faszinierte uns der Umstand, wie gut die antiken Bauten noch erhalten waren.
Wieder oben angelangt machten wir uns auf den Weg zum archäologischen Nationalmuseum, wo uns eine lehrreiche und witzig gestaltete Führung erwartete. Zuerst bekamen wir einige Mosaiken aus Pompeji zu sehen, deren detailgenaues handwerkliches Geschick uns alle faszinierte. Die Motive zeigten meist Menschen oder Tiere. Nichts erstaunte uns mehr als die Erkenntnis, mit welcher Präzision selbst die aller kleinsten Darstellungen durch Steinchen gelegt werden konnten. Unter anderem sahen wir das berühmte Alexandermosaik, welches in Pompeji im Haus des Faun gefunden worden war und eine Kriegsszene zwischen Alexander dem Großen und Dareios IV. darstellt.
Die nächste Abteilung des Museums war wesentlich pikanter und ließ uns allseits amüsiert die teilweise sehr gewagten Exponate bestaunen: Wir waren im sog. „Geheimkabinett“ angelangt. Hier wurde alles ausgestellt, was das damalige Sexualleben der Römer zu bieten hatte, welches stark von der griechischen Kultur geprägt war. Wir erfuhren, dass mit Sexualität sehr offen umgegangen wurde und Homosexualität sowie der Geschlechtsverkehr mit Tieren manchen als nicht allzu befremdlich galt. Außerdem überraschte uns die Tatsache, dass der männliche Phallus damals nicht nur als Zeichen der Fruchtbarkeit, sondern auch als Glückssymbol galt und deshalb auf zahlreichen Gräbern, an Haustüren oder anderen Orten zu entdecken war.
Die letzte Sehenswürdigkeit, die wir in Neapel besuchten, war der imposante Dom von Neapel (Duomo di San Gennaro oder Duomo di Santa Maria Assunta). Nicht nur seine Größe, sondern auch seine Pracht brachten uns zum Staunen und die Zeit reichte kaum, alles, was es zu entdecken gab, genauer zu betrachten.
Als Abschluss bekamen wir von einem Mitschüler noch einiges an Wissenswertem über die Camorra zu hören, welche ganz Neapel samt Politik und öffentlichen Arbeiten kontrolliert. Wir erfuhren, dass ca. 50% der Geschäfte der Innenstadt unter Schutzgelderpressung leiden und es in den Außenbezirken fast 100% sind. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof versuchten wir dann zu erraten, welche der Einkaufsläden und Lokale wohl an die Camorra zahlen.
Den letzten Abend verbrachten wir erst in kleineren Gruppen im Restaurant und dann gemeinsam auf einem Platz vor den Unterkünften. Wir redeten viel und lange über die Erlebnisse und wären alle gerne noch länger geblieben und hätten am liebsten noch mehr von diesem Teil Italiens gesehen.
Am Abreisetag blieb uns, nachdem wir die Unterkünfte geräumt hatten, noch ein wenig Zeit, ein letztes Mal nach Sorrent zu gehen und uns zu verabschieden. Dann ging es am Mittag per Bustransfer nach Neapel zum Flughafen, wo wir noch die Möglichkeit hatten, die übrige Zeit für einen letzten Snack in Italien zu nutzen, ehe wir wieder zurück nach Zürich flogen, von wo aus uns der Bus am frühen Abend nach Überlingen brachte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass wir an den unterschiedlichen Stationen der Studienfahrt sehr motiviert und interessiert waren. Wir sind unseren Lehrern sehr dankbar für die Möglichkeit eines solch großartigen Erlebnisses und für so viele bunte und bleibende Eindrücke, die auf viele Arten unseren Horizont erweitert haben. Das auf diese Weise Erlebte kann nun perfekt als Motivation für das bevorstehende Abitur in Latein genutzt werden.

Naemi Dittes, Leah Meyer & Markus Thumm