-Flüchtlingspolitik im Klassenzimmer der 8a-

DSCF4174 Eine finanziell gut aufgestellte Kleinstadt mit einer Arbeitslosenquote unter dem Landesdurschnitt steht vor einer Herausforderung: 255 weitere Asylbewerber sollen untergebracht werden. Wo und wie wird in der Gemeinde heftig diskutiert: Eine Sammelunterkunft am Stadtrand, Umbau einer ehemaligen Schule im Zentrum oder etwa die Unterbringung in nicht vermieteten Wohnungen in der Stadt stehen zur Debatte.
Mit diesem Szenario sahen sich die Schüler/-innen der Klasse 8a des Gymnasium Überlingens am vergangenen Dienstag, den 31. Mai, konfrontiert. In einem Planspiel mit dem Titel „Flüchtlinge willkommen?“ entschieden die Schüler der Klasse 8a als Bürger des fiktiven „Seestadts“ über die Zukunft der dort ankommenden Asylbewerber. Dabei wurde von den Schülern gefordert, sich in verschiedene Rollen hineinzuversetzen und deren Meinungen in einer Gemeinderatssitzung zu vertreten. Von Anfang an wurde allerdings zwischen gespielter Rolle und eigener Meinung klar unterschieden. So vertraten die Achtklässler nicht eigene Ansichten, sondern lediglich die des Bürgermeisters, ihrer Parteien, die von Initiativen oder Vereinen.

Organisiert wird dieses Projekt von der Landeszentrale für Politische Bildung, die auf Anfrage Vertreter in verschiedene Schulen schickt, um den Schülern einen Einblick in den Ablauf der Flüchtlingspolitik auf kommunaler Ebene zu ermöglichen.

DSCF4160Nachdem die Schüler Zeit hatten, sich in ihre Rollen einzufinden, präsentierten sie ihre Positionen und schließlich wurde eine Lösung diskutiert. Schlussendlich verkündete der Bürgermeister das Ergebnis der Versammlung, das die Anwesenden einstimmig annahmen: Eine Sammelunterkunft wird am Stadtrand erbaut werden. Die Schule im Stadtzentrum wird zum sozialen Treffpunkt, wo Konzerte, Partys und Ähnliches stattfinden. Ein Shuttle-Bus wird gesponsert und soll regelmäßig zwischen Sammelunterkunft und Zentrum pendeln, um den Flüchtlingen aktive Integration zu ermöglichen. Die Schüler reflektierten dieses Ergebnis im Nachhinein als akzeptablen Kompromiss, da jeder zumindest einen Teil seiner Forderungen erfüllt sah.

Nach Ende des Rollenspiels gab sich die Mehrheit der Klasse als tendenziell zufrieden mit dem erzielten Ergebnis, wenn sie auch einsahen, dass der Kompromiss nicht unbedingt als realistisch angesehen werden kann. Sie gaben zu, dass sie, wären es die eigenen Meinungen gewesen, beharrlicher auf diese bestanden hätten und sich nicht so leicht der Mehrheit angepasst hätten. „In echt wäre es nicht so gewesen“, stellte einer der Achtklässler fest. Spaß hatten allerdings alle, wie sich bei der Rückmeldung herausstellte. Auch hatte die Mehrheit der 8a das Gefühl, etwas dabei gelernt zu haben.

Für die Schüler ist ein solcher „Politischer Tag“ eine ideale Gelegenheit, Situationen, von denen sie in den Nachrichten hören, selbst durchzuspielen und theoretische Inhalte des Unterrichts in die Praxis umzusetzen.

(Anna Schwarzwälder, KS 2)