Shakespeares Komödie „Wie es euch gefällt“ gehört auch 400 Jahre nach seinem Tod zu den meistgespielten Stücken seines umfangreichen dramatischen Gesamtwerkes. Die Theater AG des Gymnasiums Überlingen hat unter der Regie der Englisch-Lehrerin Linda Orlowsky dem Publikum eine Inszenierung geboten, bei der die 37 jungen Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Spielfreude richtig ausleben konnten. Für die schnellen Szenenwechsel war die tiefliegende Aula des Gymnasiums ideal. Die Bühne, bestehend aus Teilen vom letztjährigen Sommertheater, stand in der Mitte, die Zuschauer saßen sich gegenüber und von den vier Zugängen traten die Spieler auf. Pop- und Rockmusik untermalten die modern übersetzten Texte, dennoch waren aber viele original Shakespeare- Zeilen zu hören bei den Monologen, Wortspielen, Reimen und dem bekannten Sonnet 18 über die Unsterblichkeit der Schönheit.
Die Liebe ist das durchgehende Thema des Stückes, die Beziehung der Geschlechter und die Suche nach der eigenen Identität, alles, was Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung anspricht. Gerade auch die vielen jungen Schauspieler aus den Klassen acht und neun der Mittelstufe. Die tragenden Rollen haben die Oberstufenschüler, darunter trotz Prüfungsstress sechs Abiturienten, brillant gespielt.
Die Liebesgeschichte von Rosalind und Orlando, beide vom bösen Herzog Frederik verbannt, treffen im Ardenner Wald wieder aufeinander. Doch Rosalind in Begleitung ihrer Freundin Celia ist als junger Mann getarnt – ein Ganymed – gesteht ihm ihre Liebe nicht, sondern will ihn mittels einer „transgressiven Projektion“ testen, bei der er das Bild der geliebten Rosalind auf den jungen Mann übertragen soll. Der Wald ist dann auch der magische Ort, wo sich in einer Schäfer- und Blumenkinder Idylle weitere Paarungen ergeben. Wenn z. B. der Gärtner Silvius seine rosarote Brille abnimmt und seine bisher verschmähte wahre Liebe erkennt. Auch die schnippische Freundin von Rosalind verliebt sich in Oliver, den Bruder von Orlando. Dabei ist mit der schwarzgekleideten Gestalt von Lord Jacques auch das Gegenbild des pessimistischen Melancholikers vertreten, der über das Leben und die Welt philosophiert, „Liebe ist eine geistige Verwirrung und die ganze Welt ist eine Trauerbühne“. Orlando bedauert, dass er seine Rosalind nicht heiraten kann, aber Ganymed verspricht, dies durch Magie möglich zu machen. Auf der Hochzeit von ihrer Freundin Celia mit Oliver gibt sie sich als Rosalind zu erkennen. Am Ende vermählt der Priester gleich vier Paare und ein großes Hochzeitsfest kann beginnen. Großen Beifall gab es für alle 37 Akteure und den Mitgliedern der Licht-Ton und Medien AG unter der Leitung von Peter Gaida. Hervorzuheben sind die Schauspieler, die besonders große Textanteile fehlerfrei bewältigten, darunter die vier Paare Maxi Tilly als Rosalind und Jonas Hertwik als Orlando, Xenia Erz als Celia und Jan Probst als Oliver, Leonie Haarbach als Schäferin Corinna und Laura Hart als Touchstone mit französischem Akzent, Joshua Joksch als Gärtner Silvius und Alina Kail als Celest. Nicht zu vergessen Lea Kochendörfer als melancholischer Philosoph Jaques.
Lothar Fritz
