Am 24. September ist es so weit: 61,5 Millionen Wahlberechtigte in Deutschland können ihre Kreuzchen setzen und so über die Zusammensetzung des neuen Bundestags entscheiden.
Unter den Wahlberechtigten befinden sich 2017 auch etwa 3 Millionen Erstwähler, von denen um die hundert das Gymnasium Überlingen besuchen.
Zum ersten Mal bei der Bundestagswahl wahlberechtigt zu sein, ist mit vielen Fragen verbunden: Welcher Kandidat vertritt meinen Landkreis am besten? Welches Parteiprogramm stimmt am ehesten mit meinen Interessen überein? Sollte ich Erst- und Zweitstimme der gleichen Partei geben?
Die Antwort auf diese Frage muss natürlich jeder für sich selbst finden, doch die Kursstufenschüler des Gymnasiums Überlingen bekamen dafür eine entscheidende Hilfestellung: Eine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten des Bodenseekreises.
Am 21. Juni konnten sie einer zum Teil hitzig geführten Debatte lauschen, professionell moderiert von Naemi Dittes aus der KS1 und Jonas Hertwig aus der KS2.
Alle Parteien, denen man eine Chance zugesteht, in den Bundestag einzuziehen, waren eingeladen und wurden zunächst einmal steckbriefmäßig vorgestellt.
Für die Linke, ebenso wie für die Grünen, die SPD und die FDP nahmen die Kandidaten des Wahlkreises selbst am Podium teil.
Lothar Riebsamen, der Kandidat der CDU und Bundestagsabgeordneter für den Bodenseekreis, konnte auf Grund seiner Verpflichtungen in Berlin leider nicht persönlich erscheinen und auch seine Vertretung Christian Natterer musste kurzfristig absagen, da seine Frau ein Kind bekam – das ist doch mal ein Grund, den wir gerne akzeptieren;-)
Aus diesem Grund startete die Diskussion ohne einen Vertreter der CDU.
Ebenfalls vertreten ließ sich Alice Weidel, die Kandidatin der AfD, statt ihrer repräsentierte Christoph Högel die AfD bei der Diskussion.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, in der die Kandidaten von sich selbst und ihrer Partei erzählten, ging es dann direkt um die harten Fakten. Der 4-stündige GK-Kurs der KS1 hatte Fragen zu den verschiedensten Themen formuliert, zu denen die Kandidaten dann ein kurzes Statement abgeben konnten. Das „kurz“ wurde von den Kandidaten nicht allzu wörtlich genommen und als so die Erklärungen immer mehr ausuferten, sahen sich die Moderatoren gezwungen, hart durchzugreifen :-). Die Ein-Minuten-Regel wurde eingeführt und die Statements wurden nun wirklich kurz.
Hitzige Diskussionen gab es vor allem beim Thema Familienbild. Während die meisten (sowohl die Parteien als auch die Schüler) die Ehe für alle befürworteten, gab es doch eine Partei, die am traditionellen Familienbild festhält – die AfD.
Gerade bei dem Thema Adoption für gleichgeschlechtliche Paare kam es zu einer aufbrausenden Auseinandersetzung zwischen Leon Hahn von der SPD und Christoph Högel von der AfD, der die Ansicht vertrat, dass zwei gleichgeschlechtliche Eltern für Kinder nachteilig seien. Und das war der Moment, in dem man sich dann doch fragte, warum genau die AfD dann eine lesbische Spitzenkandidatin hat.
Während der Statements der anderen Kandidaten hieß es dann plötzlich „Selfie-Time“, als zuerst Leon Hahn und dann auch Christian Steffen-Stiehl, FDP, sich selbst und die Schüler im Hintergrund verewigten. Ein tolles Bild, besonders wenn man bedenkt, dass fast alle Abiturienten wegen der traditionellen Mottowoche im „Assi- Look“ im Publikum saßen. Es lässt sich darüber streiten, ob die Fotoaktion jetzt cool oder einfach unhöflich war, zumindest gingen die Argumente der anderen Kandidaten im Fotorummel unter.
Nachdem die Diskussion bis dato einen Querschnitt durch die Bereiche Innenpolitik, Bildung, Wirtschaft und Familie geboten hatte, näherte sie sich dem Final Countdown. Aufgrund des Zeitmangels durfte eine letzte Frage gestellt werden. Und wofür entschieden sich die Schüler des GK- Kurses? Flüchtlingspolitik? EU? Trump? Aber wo denkt ihr hin! Die entscheidende Frage ist doch „Sollte Cannabis legalisiert werden?“, man muss eben Prioritäten setzten 🙂
Im Anschluss an dieses Thema hatten die Schüler aus dem Publikum dann noch die Möglichkeit. eigene Fragen zu stellen, und plötzlich hieß es wieder: Alle gegen die AfD. Das Thema Familienbild wurde erneut aufgerollt.
Und mit diesem Thema, das die Gemüter doch gehörig erregte, endete die Podiumsdiskussion.
Im Anschluss standen die Kandidaten noch zum persönlichen Gespräch zur Verfügung. Diese Möglichkeit nahmen viele Schüler wahr, um sich noch einmal zu unterhalten und zu diskutieren und auch Themen zur Sprache zu bringen, die in der Diskussion zu kurz gekommen waren.
Diese anschließenden Gespräche, bei denen manche Schüler noch eine Stunde nach Ende der Diskussion weiter diskutierten, sind wohl das beste Beispiel dafür, wie viel Eindruck die Veranstaltung bei den Schülern hinterlassen hat.
Nach so einer Diskussion fällt das „Kreuzchensetzen“ im September schon leichter!

Hanna Rosebrock und Christin Nothnagel