Moschee, Münster und Jan-Hus-Haus. Es ist schon gute Tradition, dass alle Schüler/innen der 8. Klassen am Mittwoch vor dem „Schmotzigen“ nach Konstanz fahren. Der von der Fachschaft Religion organisierte Ausflug dient dem interreligiösen Gespräch und fördert auch das Geschichtsbewusstsein. Auf dem Programm stand eine Führung im Münster, dem Ort der Konzilsversammlungen 1414-1418, bzw. ein Besuch im Jan-Hus-Haus in Erinnerung an den während des Konzils als Ketzer verbrannten tschechischen Vorreformator.
Dass die Suche nach Wahrheit nicht zwangsläufig zu Ausgrenzung und Gewalt führen muss, erlebten die über hundert Schüler/innen eindrücklich bei den Gesprächen in der Konstanzer Mevlana-Moschee, die nach dem persischen Sufi-Mystiker Rumi (1207-1273) benannt ist. Engagierte Frauen aus der Moscheegemeinde stellten sich in großer Offenheit den interessierten und auch kritischen Fragen der Jugendlichen. Es ging um das alltägliche Leben als Muslim, das Fasten, das Kopftuch und um viele Gemeinsamkeiten zwischen den monotheistischen, abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Im Vordergrund standen die Betonung der Barmherzigkeit und Nächstenliebe und die deutliche Absage an jede religiös motivierte Gewalt.
Auch die aktuelle Diskussion um den Dachverband Ditib und den Einfluss der türkischen Regierung wurde aufgegriffen. Die Vertreterinnen der Moscheegemeinde betonten, dass ihnen deutschsprachige, in Deutschland ausgebildete Geistliche sehr recht wären, derzeit aber die Ausbildung der Imame in der Türkei noch viel umfangreicher und besser sei. Die (türkischen) Predigten der Imame würden im Übrigen mit der Gemeindeleitung vorbesprochen und während des Gebets in deutscher Sprache projiziert. Der vor kurzem erst aus der Türkei gekommene neue Imam sang eindrucksvoll den arabischen Gebetsruf und sprach die Einladung aus, jederzeit die Moschee besuchen zu dürfen. Als Zeichen der Gastfreundschaft verabschiedete er alle mit einer Süßigkeit.
Text: Andreas Bücklein
