Hätten am Sonntag Schüler des Überlinger Gymnasiums entscheiden dürfen, hätte die AfD keine Chance gehabt. Die Alternative für Deutschland wäre nur auf 4,1 Prozent gekommen. Die Grünen hätten dagegen 45,1 Prozent erreicht.

Das Ergebnis der gespielten Landtagswahl am Überlinger Gymnasium spricht eine klare Sprache. Von den 435 Wählern, gewählt wurde ab der achten Klasse, entfielen 45,1 Prozent der Stimmen auf die Grünen und nur 4,1 Prozent auf die AfD.

Die Schüler der Kursstufe 1 interpretieren das am gestrigen Montag im Gemeinschaftskundeunterricht wie folgt: „Eine Wählerbeteiligung ab 16 Jahren hätte das Ergebnis hier in Baden-Württemberg ganz entschieden verändert, die AfD wäre niemals so stark geworden“, sagt der 19-jährige Kjell-Arne Geerds, der am vergangenen Sonntag zum ersten Mal wählen war. In Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Brandenburg wäre die Wahl ab 16 möglich gewesen. Die gesamte Kursstufe spricht sich einstimmig für eine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre in Baden-Württemberg aus. Die Argumente sind hauptsächlich folgende: Adrian Veit sagt, „es geht hier doch um unsere eigene Zukunft“. Anna Schwarzwälder meint, „es ist nicht relevant, ob man 16 oder 18 Jahre alt ist, entweder man hat politisches Interesse oder nicht, man wird ja deshalb nicht gezwungen zu wählen“. Einen ganz interessanten Aspekt bringt Marius Widenhorn ein: „Da setzt sich dann doch die politische Struktur der Familie fort. Das, was Zuhause politisch tonangebend ist, wählen viele Jugendliche und eine Familie nimmt so mehr Einfluss auf die Politik.“

Was macht denn für euch den Winfried Kretschmann so attraktiv?, wollte der Lehrer Jochen Staudacher von seinen gut informierten Schülern wissen. Immerhin hatten die Grünen bei den Schülern einen so hohen Wahlsieg errungen, obwohl ihr Spitzenmann für die Schüler schon im hohen Alter von 67 Jahren ist. „Der Typ könnte zwar mein Opa sein, aber für mich ist er authentisch und glaubwürdig und er hat Gewicht bei den Grünen“, so Kjell-Arne Geerds. Umweltbewusstsein und die klare Haltung gegen TTIP nennt Marius Widenhorn die Hauptgründe seiner Wahlentscheidung und die vieler Mitschüler für die Politik der Grünen.

Die Gründe für das gute Abschneiden der AfD, welches sie alle im Klassenzimmer so gerne verhindert hätten, benennt Janet Reinwald so: „Ich kann verstehen, dass viele Menschen nicht so viele Flüchtlinge hier haben wollen und die deshalb gewählt haben. Mir ist die AfD aber glatt zu rechts und ich habe Angst vor denen.“

Bemerkenswert demokratisch argumentieren die Schüler allerdings, als es um den Umgang mit der nun gewählten Alternative für Deutschland ging. „Je mehr wir die beschimpfen, umso größer wird deren Spektrum, auch die anderen Parteien sollten mit ihnen reden“, so Marius Widenhorn. Wenn deren Wähler in so großer Zahl, wie sich bei den Analysen herausgestellt hat, von der CDU und SPD kämen, könnten das ja nicht lauter Rechtsradikale sein, resümiert Adrian Veit. Dann sollte man auch höflicher mit ihnen umgehen.

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