Geht das? Schuläpfel als Paradebeispiel.
„An apple a day keeps the doctor away“- Wer kennt dieses englische Sprichwort, das zum täglichen Apfel rät, nicht? Und tatsächlich ist der Apfel eine gesunde Ergänzung zum tagtäglichen Schulvesper. Ein Apfel enthält nämlich über 30 Mineralstoffe und Spurenelemente, diese beinhalten auch Kalium und Eisen. Auch verschiedenste Vitamine stecken in einem gewöhnlichen Apfel, darunter auch Provitamin A und die Vitamine C und E. Außerdem fungiert ein Apfel aufgrund der Fruchtsäuren auch als sogenannte „Zahnbürste der Natur.“ Aber was hat es mit den Kisten voller Äpfel auf sich, die im Eingangsbereich des Gymnasiums die Schüler begrüßen?
Die Äpfel sind Teil des Schulfruchtprogramms des Landes Baden-Württemberg. Dieses wird wiederum von der Europäischen Union, die den jeweiligen Mitgliedstaaten Gelder stellen, finanziert, unterstützt von Sponsoren. Die eigentliche Zielgruppe des Programms beinhaltet lediglich Kindertagesstätten und die Klassen 1-4 an deutschen Schulen, jedoch wurde diese Einschränkung zu Beginn des aktuellen Schuljahres auf die Klassenstufen 5-8 an weiterführenden Schulen ausgeweitet. Und so kam auch das Gymnasium Überlingen wieder zu seinen Schuläpfeln, nachdem die Gymnasien vor zwei Jahren von dem Programm ausgenommen worden waren.
Die Äpfel an unserer Schule stammen vom sehr nahe gelegenen Obsthof Rauch. Wöchentlich werden einige Kisten zur Verfügung gestellt. Diese begrüßen die Schüler dann sowohl beim Gang in die Schule als auch dann, wenn sie diese am Ende des Schultages oder in den Pausen verlassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein kostenloser Apfel im Vorbeigehen also entdeckt und verspeist wird, ist sehr hoch und fördert somit tatsächlich die gesunde Ernährung.
Wie kommen die Äpfel jedoch bei den Schülern an? Erfüllen sie ihren Zweck? Bei einer Befragung von knapp 100 Unter- und Mittelstufenschülern der Klassen 5-8 kamen wir zu folgenden, in Kreisdiagrammen dargestellten Ergebnissen. Auffällig ist bei diesen, dass die Äpfel sowohl der eindeutigen Mehrheit schmecken als auch wertgeschätzt werden. Allerdings bedienen sich nur ein wenig mehr als ein Viertel der befragten Schüler auch regelmäßig an den Äpfeln. Außerdem wurden die Klassenstufen 6-8 gefragt, ob sie im letzten Jahr, als die Äpfel nicht zur Verfügung standen, selbst welche mitbrachten. Nur knapp 16% taten dies. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Äpfel auf jeden Fall den Konsum einiger Schüler positiv beeinflussen.
Als negativer Aspekt muss jedoch auch die Beschränkung auf die Klassen 5-8 genannt werden, denn diese schließt die älteren Schüler aus dem kostenlosen Äpfel-Angebot aus, dabei würden auch sie sich Äpfel wünschen. Als Argument für eine Ausweitung lässt sich nennen, dass die Eltern für die unteren Stufen das Vesper noch vorbereiten und dabei meist auf gesunde Ernährung achten. In den oberen Stufen packen die Schüler zum Großteil ihr Pausenbrot selbst und vergessen oder vernachlässigen häufig, was sie eigentlich über gesunde Ernährung gelernt haben.
Nichtsdestotrotz unterstützen sowohl Schüler als auch Lehrer die Schuläpfel. Frau Ruh beispielsweise sieht die Vorbildfunktion der Schule,was gesunde Ernährung anbelangt, erfüllt. Auch der Schulleiter Hans Weber nennt die Äpfel eine „gute Nahrungsergänzung während des Winters.“ Allerdings fügt er hinzu, dass er „im Mai/Juni, wenn die eingelagerten Äpfel an Knackigkeit und Geschmack verlieren und frische Obstsorten zur Verfügung stehen“, die Schuläpfel nicht weiter sinnvoll finde.
Ob der tägliche Apfel uns nun tatsächlich vom unangenehmen Doktorbesuch verschont, bleibt fragwürdig. Aber gegen einen geschmacklich guten und gesunden Snack ist definitiv nichts einzuwenden.
Anna Schwarzwälder (KS II)
